Wanderung durch Lappland: Tom Young erzählt von seinem wilden Solo-Abenteuer.

Posted on 26/11/2019

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Kürzlich trafen wir uns mit Tom Young aus Bedfordshire in England. Zu Beginn dieses Jahres begab sich der 29-jährige Abenteurer auf eine unglaubliche beinah 1300 km lange Wanderung durch Lappland, der Polarkreisregion des europäischen Festlands. Dies ist seine Geschichte.

Sie haben vor Kurzem eine große Expedition abgeschlossen? Erzählen Sie uns mehr darüber. Wie weit ging es? Was war Ihr Ziel?

Die Idee hinter diesem Trip war relativ einfach: Ich wollte von Norden nach Süden durch Lappland wandern, durch eine der wildesten und ungezähmtesten Gegenden in Europa. Ausgenommen des ein oder anderen Umwegs wanderte ich fast 1.290 km durch Lappland, der Polarkreisregion des europäischen Festlands.

Warum haben Sie sich auf diese Reise gegeben?

Der Trip war ein großes Abenteuer, um meine Grenzen auszuloten. Darüber hinaus wollte ich eine Wildnis erleben, die aufgrund weitflächiger Zerstörungen so nicht mehr in Großbritannien existiert. Ich hatte gehofft, mit dieser Reise ein Bewusstsein für die Renaturierung von Großbritannien zu schaffen. Diese Initiative setzt sich dafür ein, dass dem Land wieder die Möglichkeit gegeben wird, sich zu erholen und aufs Neue als ein natürliches Ökosystem zu dienen. In Lappland gibt es noch viele Wildpflanzen und Wildtiere, die in Großbritannien bereits ausgerottet wurden, wie Bären, Wölfe, Luchse, Elche, Biber, Wildschweine und viele Vogelarten.

Haben Sie die Reise allein unternommen? Wie viele Kilometer haben Sie durchschnittlich pro Tag zurückgelegt?

Insgesamt legte ich allein fast 1.290 km zurück und trug alles, was ich benötigte, auf meinem Rücken. Ich übernachtete 66 Tage lang in der Wildnis und legte im Durchschnitt täglich knapp 20 km zurück, durch Gletschergebiete, dichte Wälder und der arktischen Tundra.

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So eine Unternehmung stellte bestimmt auch eine logistische Herausforderung dar. Wie haben Sie sich unterwegs mit Ausrüstung und Nahrung versorgt?

Mein Rucksack hatte – abhängig davon, wie viel Wasser und Nahrung ich verbraucht hatte – ein Gewicht zwischen 26 und 30 kg. Darin befand sich zusätzlich zum bereits erwähnten Wasser und Essen noch meine Kameraausrüstung, Ausrüstung zum Zelten sowie ein Notfallset. Für die Planung meiner Nachtlager dienten die jeweils verfügbaren Wasserquellen. Alle zwei Wochen führte meine Route entlang einer Straße oder durch eine kleine Stadt, wo ich meine Vorräte auffüllen und mich unter Umständen – falls nötig – ausruhen konnte.

Was waren Ihre drei Lieblingsorte auf der Reise?

Ich sah auf meiner Reise eine Reihe von außergewöhnlich schönen Landschaften, aber zweifelsohne war mein Favorit der wunderbare Reisa-Nationalpark in Norwegen: Ein riesiges Tal mit mehreren gigantischen Wasserfällen, die in einen großen Fluss hinabrauschen, in dem es auch einem Mischwald aus Kiefern und Birken gibt. Mein morgendliches Porridge konnte ich mir dank der reichlich vorhandenen Himbeeren und Blaubeeren versüßen und so für den dringend benötigten Frischekick sorgen. Der Sarek-Nationalpark in Schweden war ebenfalls atemberaubend, das schiere Ausmaß an frei fließenden Flüssen, Gletscherbergen und Wäldern war schon aufregend genug. Aber sich dann noch bewusst zu machen, dass durch den Park auch Bären, Luchse, Elche und gelegentlich Wölfe zogen und dort lebten, war bezaubernd.

Und ich war sehr von meinem Ausgangspunkt beeindruckt: Knivskjellodden in Norwegen. Dieser Ort, die äußerste Nordspitze des europäischen Festlandes, besteht aus gewaltigen kargen Landzungen aus Felsen.

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Was hat Sie am meisten auf Ihrer Reise überrascht?

Ich war mitunter von der gewaltigen Gutherzigkeit der Menschen überrascht, auf die ich traf. Zwar geschah das nicht oft, aber wenn ich Fremde in der Wildnis traf, bekam ich schnell das Gefühl, Freunden begegnete zu sein, die oft anboten, auf irgendeine Art zu helfen. Dazu zählten dann geschenkte Schokolade, das Zubereiten einer dringend benötigten Tasse Kaffee oder sogar ein komplett selbst gekochtes Abendessen. Das war manchmal sehr überwältigend und ungemein inspirierend.

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Was war der anstrengendste Aspekt der Reise? 

Die ersten beiden Wochen waren unglaublich hart – sowohl körperlich als auch mental. Es war sehr kräfteraubend und ermüdend, zu wissen, was noch alles vor einem lag, und so viel ungewohntes Gewicht für so eine lange Zeit mit sich herumzutragen. Hinzu kamen 24 Stunden Tageslicht und 35 °C. Diese intensiven Bedingungen machten den Start der Reise zu einer großen Herausforderung.

Wie haben Sie ViewRanger genutzt? Was ist Ihre Lieblingsfunktion von ViewRanger?

Wahrlich revolutionär war für mich die Möglichkeit, die Karten offline zu verwenden. Ich ließ mein Telefon im Flugmodus, um meinen Akku zu schonen. Nach einer vollen Aufladung mit meinen Solarpanels hielt dieser manchmal eine Woche lang durch. So konnte ich regelmäßig meine Karte überprüfen, meine Route für den Tag planen und den besten Ort aussuchen, um mein Nachtlager aufzuschlagen. Und falls wieder einmal der sehr dichte Nebel über die öde Tundra, die kaum herausragende Merkmale besitzt, einsetzte, gelang es mir trotzdem, meinen exakten Standort zu ermitteln und mithilfe meines Kompasses sicher in dieser abgelegenen Gegend zu navigieren. Vor meiner Abreise legte ich die Orte auf meiner Route fest, wo ich meine Vorräte wieder auffüllen konnte. Das empfand ich als sehr hilfreich.

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Eindrucksvolle Statistiken von Toms Reise

Sie sind jetzt wieder zu Hause? Und arbeiten an einem Film über Ihr Abenteuer?

Ja, ich stelle gerade zu Hause einen Vortrag über die wilde Tierwelt und mein Abenteuer zusammen, den ich in interessierten Schulen halten kann. Darüber hinaus arbeite ich an einer kurzen Abenteuer-Doku über meine Reise, die im nächsten Jahr fertig sein wird. 

Wo können wir mehr über Ihr Abenteuer erfahren?

Fotos und Videos von meiner Reise sowie neue Updates findet man auf www.tomyoungwildlife.com

Oder Suchen Sie nach Tom Young Wildlife auf Facebook oder auf Instagram @tom_willy_young.

Toms ViewRanger-Profil: my.viewranger.com/user/details/1325802

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