Eine Solo-Wanderung durch Italien: Lorenzo Franco Santin wandert auf dem „längsten Weg der Welt“

Posted on 25/11/2019

Marco Mietti, der Community-Manager von ViewRanger in Italien, traf sich kürzlich mit dem Abenteurer Lorenzo Franco Santin in Lanciano, Abruzzen (Mittelitalien). Dort präsentierte er in einem bis auf den letzten Platz besetzten Saal seinen neusten Dokufilm und berichtete über sein Solo-Wanderabenteuer auf dem Sentiero Italia. Das Interview und der Blog wurden aus dem Italienischen übersetzt.

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Der Abenteurer Lorenzo Franco Santin nennt ihn den „längsten Weg der Welt“. Der Sentiero Italia – oder auch der große italienische Fernwanderweg – zieht sich durch ganz Italien und verbindet Sardinien, Sizilien, die Regionen der Apenninen und Alpen sowie Triest an der italienisch-slowenischen Grenze.

Schon auf dem Papier sind die Zahlen rund um den Sentiero Italia beeindruckend. Der Wanderweg hat eine Länge von 6.166 km, was andere Fernwanderwege wie den Pacific Crest Trail in den USA (4.279 km) und den Camino de Santiago durch Frankreich und Spanien (2.530 km) deutlich auf die hinteren Plätze verweist.

Sentiero Italia ViewRanger

Anhand der Fotos und Videoaufnahmen von Lorenzo lässt sich auch gut erkennen, wie inspirierend, einzigartige und wirklich extrem der Sentiero Italia ist.

Außerdem ist es alles andere als eine einfache Wanderung. Lorenzo brauchte zwei Anläufe, um ans Ziel zu kommen. Bei seinem ersten Versuch 2016 endete der Sentiero Italia nach 4.500 km für ihn in den Alpen in der Lombardei. Aufgrund eines unerwarteten Schneefalls im Oktober war ein Klettersteig zu eisig und gefährlich geworden. Dadurch musste er aufgeben und sein Abenteuer vorerst (sprichwörtlich) auf Eis legen. Allerdings ließ ihn in den darauffolgenden Monaten der Gedanke nicht los, die Wanderung abzuschließen.

Daher machte er sich fünf Monate später, im März 2017, erneut auf den Weg. Dieses Mal startete er in Santa Teresa di Gallura im Norden Sardiniens. Bei seinem zweiten Versuch entschied er sich für die weniger bepackte und schnellere Variante. Er hatte lediglich einen Schlafsack und eine Schlafmatte bei sich. Kein Zelt oder Outdoor-Kocher. In seinem Gepäck befanden sich Trekkingstöcke, zusätzliche Batterien, eine Ein-Liter-Flasche, Wanderschuhe, ein minimaler Vorrat an Kleidung, eine Kopflampe sowie einige sonstige Gegenstände. Sein Smartphone diente ihm als Kamera und Navigationsgerät. Sein Rucksack hatte ein Gewicht von ca. 9 kg.

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Darüber hinaus beschloss er, auf seiner Reise nie für Übernachtungen oder Wasser zu bezahlen. Er schlief oft unter freiem Himmel in den Bergen, da viele Hütten oder Schutzunterkünfte entweder geschlossen oder in einem schlechten Zustand waren. Das Trinkwasser sammelte er aus Quellen und kaufte unterwegs Essen in örtlichen Läden.

Während der Frühlings- und Sommermonate wanderte Lorenzo vom Meer über die Hügel durch kleine Dörfer und hinauf in die Berge. Er kämpfte mit der extremen Hitze des italienischen Sommers. Auf seinem Abenteuer passierte er einige der atemberaubendsten Panoramen, die Italien zu bieten hat, und wanderte dabei auf kaum auszumachenden Wegen, denen man nur schwer folgen konnte und die sehr anspruchsvoll waren. Er zog an den Kratern des Ätna-Vulkans in Sizilien vorbei und hikte durch Aspromonte, Gran Sasso, die Sibillinischen Berge, die Apuanischen Alpen und er stieg auf den Monte Viso und durchquerte die Dolomiten.

Die täglichen Strapazen gingen nicht spurlos an ihm vorbei, aber er hielt durch und fand seine innere Stärke. Er entwickelte ein tägliches Motto, das auch als sein Hashtag in den sozialen Netzen diente: #wakeupandexplore. Das Ziel, diesen Fernwanderweg zu absolvieren, wurde auch zu einer spirituellen Suche für ihn: Es ging darum, sich in dieser Welt lebendig zu fühlen, genau in diesem Moment, bei jedem Wetter in Italien.

Am 25. August 2017 erreichte Lorenzo Lazzaretto, südlich von Triest, an der italienisch-slowenischen Grenze (siehe ViewRanger-Karte unten). Er hatte in 114 Tagen 6.166 km zurückgelegt, was eine durchschnittliche Distanz von 54 km am Tag ist. Im Alter von 28 Jahren schaffte es Lorenzo als erste Person, den gesamten Sentiero Italia zu wandern.

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LORENZO FOLGEN 

Lorenzo hat auf seinem großen Abenteuer die GPS-Funktionen und ausführlichen Karten von ViewRanger genutzt. Er hat seine Reise aufgezeichnet, sodass seine Follower sich anmelden konnten, um mithilfe der BuddyBeacon-Technologie von ViewRanger in Echtzeit seinen aktuellen Standort zu sehen. Sehen Sie sich hier seine Tracks an und folgen Sie seinen nächsten Abenteuern: http://my.viewranger.com/user/details/2159034  

Weitere Informationen sowie zusätzliche Fotos finden Sie auf  http://lorenzofrancosantin.com/. Finden Sie hier die Orte und Termine, an denen der Film gezeigt wird: http://lorenzofrancosantin.com/sentiero-italia-i-primi-6000km/.

 

IN ZAHLEN

mehr als 400.000 Meter Höhenunterschied

6.166 Kilometer gewandert

114 Tage

54 Kilometer durchschnittlich pro Tag

6 Paar Wanderschuhe

 

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